Gestern Abend habe ich ‘Transit’ von Christian Petzold gesehen. Am Anfang dachte ich, dass es ein Spionagefilm ist, weil die Szenen mit den Briefen und den geheimnisvollen Treffen eine spannende Atmosphäre hatten. Ich hatte vorher nichts über den Film gelesen, also war alles neue für mich. Später habe ich verstanden, dass es kein Spioneagefilm ist, sondern eine Geschichte über Flucht und Identität.
Besonders interessant fand ich die Entscheidung des Regisseurs, die Handlung in einer modernen Umgebung speilen zu lassen, obwohl die Geschichte eigentlich aus der Vergangenheit stammt. Das hat mich nicht verwirrt, sondern ich denke, es hat dem Film eine besondere Stimmung gegeben. Vielleicht hat es auch dazu geführt, dass ich am Anfang einen Spionagefilm gedacht habe.
Die Figur Georg
Ich fand die Figur Georg sehr interessant. Am Anfang dachte ich, dass er ein Spion ist, aber kein typischer Spion, sondern jemand, der keine Leidenschaft und keine wirkliche Motivation mehr hat … fast so, als wäre ihm alles egal. Dann findet er den toten Mann im Hotelzimmer, dem er eigentlich den Brief bringen sollte. Danach versuch er zu fliehen. Mein erster Eindruck war, dass er ein gefühlloser Spion ist, der einfach weiterzieht.
Aber dann sieht man, wie er sich um seinen Freund kümmert, der später stirbt. Man merkt, dass ihn das doch berührt, auch wenn er es nicht direkt zeigt. Als er das Manuskript liest, beginnt er nachzudenken. Besonders auffällig fand ich, dass er sich genau an das letzte geschriebene Wort des Autors erinnern konnte, als er im Konsulat befragt wurde. Auch dass er sich Maries Namen merkt, zeigt, dass er aufmerksamer ist, als es scheint.
Er erzählt auch eine Geschichte aus seiner Schulzeit: Früher musste er immer Aufsätze schreiben, aber jetzt will er das nicht mehr. Das zeigt, dass er kein Lust mehr hat, seine Erfahrung wie eine Schulaufgabe zu analysieren. Am Anfang wirkte er auf mich gefühllos, aber dann wurde mir klar, dass er eigentlich sehr Komplex ist. Er ist intelligent und tiefgründig, aber er zeigt seine Emotionen nicht direkt. Ich hatte das Gefühl, dass er sehr viel fühlt, aber es nicht offen zeigt. Das macht ihn zu seiner sehr besonderen Figur im Film.
Die Architektin und ihr tragisches Schicksal
Ein anderes besonderes interessanter Character im Film war die Architektin, die am Ende Selbstmord begeht. Es fällt auf, dass sie dreimal versucht hat, eine Verbindung zu Georg aufzubauen. Das erste Mal im Konsulat, als sie die Geschichte über die Hunde erzählt. Das zweite Mal, als sie ihn einlädt, mit ihr Kaffee zu trinken. Doch Georg verlässt das Cafe schnell, weil er die andere Frau sieht. Und das dritte Mal, als er sie schließlich zum Abendessen einlädt.
Diese Szene war seltsam und zugleich intensiv. Sie hat sich sehr elegant gekleidet, mit schicken Schuhen und einem stilvollen Auftritt. Sie wirkte fast so, also wollte sie sich bewusst in Szene setzen. Doch dann sagt sie, dass sie nur einen Moment lang nicht alleine sein will. Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht.
Die Szene auf dem Balkon war besonders eindrucksvoll. Georg reicht ihr eine Zigarette, sie rauchen gemeinsam… und dann springt sie auf dem Balkon zu den Boden unter plötzlich! Das hat mir gezeigt, dass Schmerz nicht immer sichtbar ist. Manche menschen sehen nach außen hin ruhig oder sogar glücklich aus, aber innerlich tragen sie eine schwere Last. Ihre Einsamkeit und Verzweiflung waren während des Films kaum zu erkennen, doch in diesem Moment wurde deutlich, wie tief ihr Schmerz wirklich war.
Der Film und das Thema Flucht
Das Ende des Films war für mich eine Überraschung! Ich hatte nicht erwartet, dass das Schiff untergeht. Aber ich glaube, dass Marie nicht auf das Schiff gegangen ist. Sie wollte mit ihrem Mann fliehen, aber als sie erfährt, dass er tot ist, hat sie keinen Grund mehr, auf dem Schiff zu bleiben. Vielleicht ist sie zurückgekommen, und Georg wartet auf sie.
Ich habe den Film sowohl emotional als auch analytisch betrachtet. Emotional hat mich besonders die Szene berührt, in der Georg erfährt, dass das Schiff gesunken ist. Analytisch hat der Film mir eine neue Perspektive auf das Thema Flucht gegeben. In meine Forschung beschäftige ich mich mit Flüchtlingen, aber oft wird Flucht nur mit bestimmten Regionen wie Afrika oder dem Nahen Osten verbunden. Transit zeigt, dass jeder, egal woher er kommt, ein Flüchtling sein kann … es hängt von der Zeit und den Umständen ab.
Ich glaube auch, dass Kunst … Filme, Musik und Literatur, eine tiefere Perspektive auf dieses Thema geben kann als wissenschaftliche Texte. Forschung ist oft kompliziert und schwer verständlich für Menschen, die nicht in diesem Beriech arbeiten. Aber Kunst kann Gefühle wecken und Menschen zum Nachdenken bringen. Deshalb denke ich, dass Filme wie Transit eine wichtige Rolle dabei spielen, Flucht und Vertreibung besser zu verstehen.


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